Die Bienenkönigin

Die Bienenkönigin

Zwei Königssöhne gingen einmal auf Abenteuer und gerieten in ein wildes, wüstes Leben, so daß sie gar nicht wieder nach Haus kamen. Der jüngste, welcher der Dummling hieß, machte sich auf und suchte seine Brüder. Aber wie er sie endlich fand, verspotteten sie ihn, daß er mit seiner Einfalt sich durch die Welt schlagen wollte, und sie zwei könnten nicht durchkommen und wären doch viel klüger.

Sie zogen alle drei miteinander fort und kamen an einen Ameisenhaufen. Die zwei ältesten wollten ihn aufwühlen und sehen, wie die kleinen Ameisen in der Angst herumkröchen und ihre Eier forttrügen, aber der Dummling sagte: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie stört!“

Himmelfahrt 2016 028

Da gingen sie weiter und kamen an einen See, auf dem schwammen viele, viele Enten. Die zwei Brüder wollten ein paar fangen und braten, aber der Dummling ließ es nicht zu und sprach: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie tötet!“

Endlich kamen sie an ein Bienennest, darin war so viel Honig, daß er am Stamm herunterlief. Die zwei wollten Feuer unter den Baum legen und die Bienen ersticken, damit sie den Honig wegnehmen könnten. Der Dummling hielt sie aber wieder ab und sprach: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie verbrennt!“

Endlich kamen die drei Brüder in ein Schloß, wo in den Ställen lauter steinerne Pferde standen, auch war kein Mensch zu sehen, und sie gingen durch alle Ställe, bis sie vor eine Türe ganz am Ende kamen, davor hingen drei Schlösser; es war aber mitten in der Türe ein Lädlein, dadurch konnte man in die Stube sehen. Da sahen sie ein graues Männchen, das an einem Tisch saß. Sie riefen es an, einmal, zweimal, aber es hörte nicht. Endlich riefen sie zum drittenmal; da stand es auf, öffnete die Schlösser und kam heraus. Es sprach aber kein Wort, sondern führte sie zu einem reichbesetzten Tisch; und als sie gegessen und getrunken hatten, brachte es einen jeglichen in sein eigenes Schlafgemach.

Am andern Morgen kam das graue Männchen zu dem ältesten, winkte und leitete ihn zu einer steinernen Tafel, darauf standen drei Aufgaben geschrieben, wodurch das Schloß erlöst werden könnte. Die erste war: In dem Wald unter dem Moos lagen die Perlen der Königstochter, tausend an der Zahl; die mußten aufgesucht werden, und wenn vor Sonnenuntergang noch eine einzige fehlte, so ward der, welcher gesucht hatte, zu Stein. Der älteste ging hin und suchte den ganzen Tag, als aber der Tag zu Ende war, hatte er erst hundert gefunden; es geschah, wie auf der Tafel stand: Er ward in Stein verwandelt. Am folgenden Tage unternahm der zweite Bruder das Abenteuer; es ging ihm aber nicht viel besser als dem ältesten, er fand nicht mehr als zweihundert Perlen und ward zu Stein. Endlich kam auch an den Dummling die Reihe, der suchte im Moos; es war aber so schwer, die Perlen zu finden, und ging so langsam. Da setzte er sich auf einen Stein und weinte. Und wie er so saß, kam der Ameisenkönig, dem er einmal das Leben erhalten hatte, mit fünftausend Ameisen, und es währte gar nicht lange, so hatten die kleinen Tiere die Perlen miteinander gefunden und auf einen Haufen getragen.

Die zweite Aufgabe aber war, den Schlüssel zu der Schlafkammer der Königstochter aus dem See zu holen. Wie der Dummling zum See kam, schwammen die Enten, die er einmal gerettet hatte, heran, tauchten unter und holten den Schlüssel aus der Tiefe.

Die dritte Aufgabe aber war die schwerste: Von den drei schlafenden Töchtern des Königs sollte die jüngste und die liebste herausgesucht werden. Sie glichen sich aber vollkommen und waren durch nichts verschieden, als daß sie, bevor sie eingeschlafen waren, verschiedene Süßigkeiten gegessen hatten, die älteste ein Stück Zucker, die zweite ein wenig Sirup, die jüngste einen Löffel Honig. Da kam die Bienenkonigin von den Bienen, die der Dummling vor dem Feuer geschützt hatte, und versuchte den Mund von allen dreien, zuletzt blieb sie auf dem Mund sitzen, der Honig gegessen hatte, und so erkannte der Königssohn die Rechte.

Da war der Zauber vorbei, alles war aus dem Schlaf erlöst, und wer von Stein war, erhielt seine menschliche Gestalt wieder. Und der Dummling vermählte sich mit der jüngsten und liebsten und ward König nach ihres Vaters Tod, seine zwei Bruder aber erhielten die beiden andern Schwestern.

(Gebrüder Grimm)

Märchen- Licht- und Naturerlebnistage zur Sonnwende

Märchen - Licht- Naturtage zur SonnwendeErleben Sie wohltuende Erholung, Entspannung und erfüllende, kreative
Tätigkeiten und beeindruckend die Natur bei diesen märchenhafte Tagen.
Drinnen und draußen in der Natur. Märchen bringen Nahrung für die Seele und stärken ihre innere Ruhe und Lebensfreude in Beruf und Alltag.

Diese Tage finden jedes Jahr in Großarl am Wochenende nach der Sonnwende statt.
Programmpunkte für Familien, Erwachsene und Kinder.

Der verwunschene Prinz ein Märchen aus Salzburg

DSC_0991DER VERWUNSCHENE PRINZ ein Märchen aus Salzburg

Es war einmal ein Schuster, der hatte drei Töchter.

Jeden Tag mußte eine andere die Kühe auf die Weide führen. Da geschah es öfters, daß gegen Abend eine Kuh fortlief, und die Hirtin wußte nicht, wohin. Aber sobald es Zeit zum Heimtreiben war, kam die Kuh immer von selbst zurück.

Darüber wunderten sich die Mädchen. Die älteste, die Reserl, sagte eines Tages: „Ich werde einmal mit der Kuh mitgehen!“

Richtig! Als es wieder gegen Abend ging, wollte die Kuh neuerdings davonlaufen. Die Reserl aber war nicht faul, packte sie gleich bei den Hörnern, hielt sich fest an und lief mit.

Anfangs rannte die Kuh recht schnell, als sie aber merkte, daß das Mädchen nicht loslassen wollte, ging sie im Schritt. Nachdem die beiden eine kleine Weile unterwegs waren, kamen sie zu einer Mauer, die Reserl ihr Lebtag nicht gesehen hatte.

Die Kuh stieß mit den Hörnern an die Mauer, und diese öffnete sich. Da kamen sie auf eine prächtige Wiese, auf der wunderschönes Gras wuchs, und die Kuh fing gleich zu fressen an.

Die Reserl aber schaute sich um und erblickte auf dem grünen Fleck ein großmächtiges Haus, das ihr recht gut gefiel. Neugierig ging sie darauf zu und trat ein. Zuerst kam sie in ein Zimmer, da stand ein Mäuerl drin. Darauf saß ein kohlschwarzer junger Hund, der das Mädchen recht lieb und freundlich anschaute.

‚Was mag denn das sein?‘ dachte Reserl. Sie ging weiter und kam in das zweite Zimmer. Das war ein prächtiger Saal, und darin stand ein großer Christbaum, über und über voll von goldenen Zapfen.

„Du mein!“ rief Reserl. „Wenn ich davon nur ein paar nehmen dürfte!“ Und sie schlug vor Verwunderung die Hände zusammen. Alsbald brockte sie ein paar Zapfen und warf sie in ihre Schürze. Weil ihr dann aber doch ängstlich zumute war, ging sie hinaus, um nach der Kuh zu sehen.

Die hatte eben zu grasen aufgehört. Reserl kam also gerade zur Heimkehr zurecht, hielt sich wieder an den Hörnern an, und die Kuh führte sie. Als sie bei der Mauer waren, stieß die Kuh wieder mit den Hörnern daran. Die Mauer ging auf, und als beide draußen waren, ging sie von selbst wieder zu. Wohlbehalten gelangte Reserl mit der Kuh nach Hause.

Nun zeigte Reserl die goldenen Zapfen ihren Eltern und erzählte ihnen, wie sie zu diesem Schatz gekommen war.

Aber der Vater getraute sich nicht, sie zu behalten, und sagte darum: „Reserl, weißt du, was? Hol den Krämer!“

Das Mädchen gehorchte, und als der Krämer kam, zeigte ihm der Vater das Gold und sagte: „Da hätte ich schöne goldene Zapfen! Wenn du mir fünf Gulden für einen gibst, kannst du sie haben.“

Dem Krämer war es recht, denn einen solchen Gewinn gab’s nicht alle Tage für ihn. Er legte, ohne lang zu zögern, für die fünf Zapfen fünfundzwanzig blitzblanke Silbergulden auf den Tisch, steckte das Gold in seinen Sack und ging vergnügt heim.

Im Hause des Schusters gab es nun viel Geld, aber die Schustersleute gingen so sparsam damit um, daß die Nachbarn nichts von dem Reichtum merkten. Trotzdem wurden die Silberlinge immer weniger. Und als eines Morgens die Mutter den letzten Gulden aus dem Wandschrank nahm, sagte Loisi, die jüngste Tochter: „Wart, ich werd noch viel mehr bringen!“

Am nächsten Tag trieb Loisi die Kühe auf die Weide und machte es geradeso wie ihre Schwester. Und richtig, auch sie kam zur Mauer und zum Haus, und alles ging so, wie Reserl es erzählt hatte.

Als Loisi ins erste Zimmer trat, saß wieder der schwarze Hund auf dem Mäuerl und schaute Loisi recht lieb und freundlich an. Und im zweiten Zimmer stand auch der Christbaum mit den goldenen Zapfen. Da ging sie gleich darauf zu und brockte und brockte, bis sie die halbe Schürze voll der kostbaren Zapfen hatte. Weil aber noch so viele auf dem Baum waren, wollte sie nicht aufhören zu pflücken. Endlich war die Schürze gehäuft voll, und Loisi konnte sie kaum mehr tragen. Da befiel sie plötzlich Angst: ‚Wenn ich nicht mehr bei der Mauer hinaus könnte?‘

Sie lief gleich aus dem Haus, aber die Kuh war nicht mehr da. Das Mädchen lief zur Mauer, aber die ging nicht mehr auf. Hinüber konnte Loisi nicht, und nirgends war eine Tür.

Da weinte sie vor Angst, eilte ins Haus und ins zweite Zimmer,
legte die goldenen Zapfen auf den Tisch und betete aus ganzem Herzen um Errettung. Trotz ihrem Kummer verspürte sie aber auf einmal Hunger, und sie machte sich auf die Suche nach etwas Eßbarem. Richtig, im dritten Zimmer fand sie einen Tisch, der war mit Braten und Wein gedeckt.

‚Ob ich mir ein Stückerl davon nehmen darf?‘ dachte sie verzagt. Weil jedoch der Hunger immer ärger wurde und niemand da war, den sie hätte fragen können, setzte sie sich endlich hin und aß. Es wäre ihr aber der Mutter trockenes Brot lieber gewesen.

Als sie satt war, stand sie auf. Da erblickte sie eine Tür in ein viertes Zimmer. Loisi ging gleich hinein und sah zwei Betten. Es war schon spät am Abend, und sie war vom Herumlaufen so müde, daß sie nicht widerstehen konnte und sich in eines der Betten legte. Sie sprach noch ihr Abendgebet und dachte: ‚Morgen wird die Kuh wiederkommen, da kann ich sicher hinaus !‘ Dann schlief sie ein. Als es Mitternacht war, hörte sie plötzlich ein Geräusch. Die Tür flog auf, ein großer, schwarzer Hund sprang an ihr Bett und rief: „Steh auf!“

Voller Angst gehorchte sie.

Darauf sagte er: „Leg mich hinein!“

Da packte sie ihn und legte ihn in das eine Bett. Dabei getraute sie sich kaum, die Augen aufzumachen. „Leg dich hinein!“ befahl der Hund sodann. Sie legte sich in das andere Bett, aber so, daß sie ihm den Rücken kehrte. Da lag sie nun zitternd und rührte sich nicht. Als sie am frühen Morgen erwachte, war sie allein und verlassen wie am Abend zuvor.

Loisi stand auf, sprach ihr Morgengebet und ging in das dritte Zimmer zurück. Dort war der Tisch gedeckt, und sie aß von dem Frühstück, das bereitstand. Dann ging sie weiter in das erste Zimmer. Da lag wieder der schwarze Hund auf dem Mäuerl, hatte aber heute ein kleinwinziges, weißes Fleckerl auf seinem Fell und schaute sie wieder recht lieb und freundlich an.

‚Was hat’s nur mit dem Hund auf sich?‘ dachte das Mädchen. Aber ehe sie noch darüber nachsinnen konnte, befiel sie aufs neue die Sorge, ob die Kuh heute wiederkommen würde, um sie nach Hause zu bringen.

Mittlerweile hatten die Eltern und Geschwister die Loisi vergeblich gesucht. Sie hatten die Kuh fortgejagt, in der Hoffnung, das Tier werde zur Mauer laufen und die Loisi heimbringen, aber das Mädchen kam nicht. Da wurden sie von Stunde zu Stunde trauriger und sagten endlich: „Unsere Loisi wird wohl nicht mehr kommen!“

Loisi aber ging inzwischen hinaus zur Mauer, schritt die schöne Wiese wohl zehnmal auf und ab und wartete auf die Kuh. So wurde es Abend, doch die Kuh ließ sich nicht blicken. Nun fürchtete sich das Mädchen wieder und dachte: ‚Was wird mir heute geschehen?‘

Als es dunkel geworden war, legte sie sich nieder, betete und schlief ein. Um Mitternacht kam wieder ein kohlrabenschwarzer Hund, der war noch größer als der erste und brüllte: „Steh auf!“ Und alles war wie in der vorigen Nacht. Weil aber der Hund viel größer war und gar so brüllte, meinte Loisi, daß diese Nacht nicht mehr so glimpflich verlaufen würde. Als sie jedoch am Morgen erwachte, war ihr kein Härchen gekrümmt worden.

Sie stand auf und ging frühstücken. Als sie heute in das erste Zimmer kam, war der Hund auf dem Mäuerl nur mehr zu einer Hälfte schwarz, die andere Hälfte war ganz weiß. Und Loisi schien es, als ob er sie noch nie so lieb angeschaut hätte wie diesmal. Da kam ihr der Gedanke, daß sie vielleicht in einem verwunschenen Schloß sei. Weil ihr aber bis jetzt nichts geschehen war, bekam sie wieder ein wenig Mut. Freilich, als sie auf die Wiese hinaustrat , und noch immer keine Kuh da war, wurde sie recht verzagt.

Abends, bevor sie einschlief, sagte sie zu sich: „Vielleicht wird es heut‘ die letzte Nacht sein!“ Darauf schlummerte sie ein.

Es wurde zum drittenmal Mitternacht. Wieder erhob sich ein Geräusch vor der Tür, aber es war viel ärger als in den früheren Nächten. Die Tür flog auf, und ein kohlrabenschwarzer Hund kam herein, der war so groß, daß die Loisi kaum mehr zu atmen wagte.

„Steh auf!“ brüllte er, und das Zimmer erbebte dabei.

Sie tat alles wie sonst, schloß aber die Augen und verhielt den. Atem, denn sie meinte, nun habe ihr letztes Stündlein geschlagen.

Als sie in der Früh erwachte, war der großmächtige Hund ein schöner, junger Prinz, der schlief wie ein Murmeltier.

Ganz heimlich, damit er ja nicht wach werde, stand Loisi auf. Da hörte sie, daß es im Schloß lebendig geworden war. Vögel sangen, Hähne krähten, Pferde scharrten, Diener liefen herum, und als sie in die drei Zimmer kam, waren die schöner als alles, was Loisi je gesehen hatte.

Im ersten Zimmer hockte kein schwarzer Hund mehr, und auch
das Mäuerl war verschwunden. Nun glaubte das Mädchen, daß es wieder heimkommen werde. Als es darob einen Freudenschrei ausstieß, kam der schöne Prinz, nahm es liebevoll bei der Hand und sagte: „Du hast mich erlöst und sollst dafür deinen Lohn bekommen. Nun wünsch dir, was dir am Herzen liegt!“

Loisi aber begehrte nichts, sondern wollte nur heim zu Eltern und Geschwistern. Sie sagte: „Laß mich nach Hause gehen!“

Da entgegnete er: „Das darfst du, aber du kannst dir noch mehr wünschen!“

Zuerst senkte sie ihr Haupt und schwieg, dann aber faßte sie sich ein Herz, blickte auf, und weil sie der Prinz gar so lieb anschaute, rief sie voll Entzücken aus: „Heiraten möcht ich dich gern!“

Da hielt sich der Prinz nicht länger, schloß sie in seine Arme und versprach ihr die Treue. Sodann ließ er einen herrlichen Wagen einspannen und fuhr mit seiner Braut zu deren Eltern. Die freuten sich ungemein, daß die verloren geglaubte Tochter wiedergekommen war und vor Glück und Freude strahlte.

Der Prinz wurde herzlich willkommen geheißen, und es dauerte nicht lange, feierten er und Loisi die Hochzeit. Beide lebten viele, viele Jahre glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Quelle: Österreichische Volksmärchen, gesammelt von Josef Pöttinger, Wien 1957

Märchenerzählerin erzählt das Märchen „Die weiße Taube“

märchenerzählerinMärchenerzählerin in den Bergen im Großarltal. Beim Wandern oder drinnen in der warmen Stube können Erwachsene und Kinder dieses Märchen hören. Stimmungsvoll bei einem Waldspaziergang, bei einer Almwanderung oder hoch oben am Berg. Das Großarltal liegt umrandet von vielen Bergen 75 km südlich der Stadt Salzburg. Gut erreichbar auch mit öffentlichen Verkehrsmittel.

Die weiße Taube – ein Märchen der Brüder Grimm

Vor eines Königs Palast stand ein prächtiger Birnbaum, der trug jedes Jahr die schönsten Früchte, aber wenn sie reif waren, wurden sie in einer Nacht alle geholt, und kein Mensch wusste, wer es getan hatte. Der König aber hatte drei Söhne, davon ward der jüngste für einfältig gehalten, und hieß der Dummling.

Da befahl er dem ältesten, er solle ein Jahr lang alle Nacht unter dem Birnbaum wachen, damit der Dieb einmal entdeckt werde. Der tat das auch und wachte alle Nacht, der Baum blühte und war ganz voll von Früchten, und wie sie anfingen reif zu werden, wachte er noch fleißiger, und endlich waren sie ganz reif und sollten am andern Tage abgebrochen werden; in der letzten Nacht aber überfiel ihn ein Schlaf und er schlief ein, und wie er aufwachte, waren alle Früchte fort, und nur die Blätter noch übrig.
Da befahl der König dem zweiten Sohn ein Jahr zu wachen, dem ging es nicht besser, als dem ersten; in der letzten Nacht konnte er sich des Schlafes gar nicht erwehren, und am Morgen waren die Birnen alle abgebrochen.
Endlich befahl der König dem Dummling ein Jahr zu wachen, darüber lachten alle, die an des Königs Hof waren. Der Dummling aber wachte, und in der letzten Nacht wehrte er sich den Schlaf ab, da sah er, wie eine weiße Taube geflogen kam, eine Birne nach der andern abpickte und fort trug. Und als sie mit der letzten fortflog, stand der Dummling auf und ging ihr nach.
Die Taube flog aber auf einen hohen Berg und verschwand auf einmal in einem Felsenritz. Der Dummling sah sich um, da stand ein kleines graues Männchen neben ihm, zu dem sprach er: „Gott segne dich!“ „Gott hat mich gesegnet in diesem Augenblick durch diese deine Worte“, antwortete das Männchen, „denn sie haben mich erlöst, steig du in den Felsen hinab, da wirst du dein Glück finden.“
Der Dummling trat in den Felsen, viele Stufen führten ihn hinunter, und wie er unten hinkam, sah er …
Jacob und Wilhelm GrimmMärchen frei erzählt drinnen oder draußen. Hier erhalten Sie weiter Inormationen: www.maerchen-erzaehlerin.info

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